Biotop- und Artenschutz im Schutz- und Bergwald

Teilprojekt Konfliktanalyse und -management

Projektleiter: Dr. Klaus Pukall

Projektbearbeiter: Monika Arzberger

Laufzeit: 06/2017 - 05/2020

Förderung: Interreg-V-A Programm Österreich – Bayern 2014-2020 mit einer Kofinanzierung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Zur Beschreibung des Gesamtprojekts

Inhalt des Teilprojekts

Problemlage

Zwischen dem Arten- und Biotopschutz und dem klassischen auf die Schutzfunktionen (u. a. Schutz vor Lawinen, Hochwasser) ausgerichteten Berg- und Schutzwaldmanagement bestehen vielfältige Zieldivergenzen aber auch Synergien. Synergien ergeben sich beispielsweise bei ungleichaltrigen, gemischten, aus standortgerechten Baumarten aufgebaute Wälder, die aufgrund ihrer naturnahen Struktur naturschutzfachlich erwünscht sind und gleichzeitig die Schutzansprüche der Gesellschaft in der Regel am besten erfüllen. Naturschutzfachlich sind lichte Waldstandorte, die häufig durch früher sehr verbreitete Nutzungsformen entstanden sind (Waldweide, Schwenden, Schneiteln) von hohem Interesse. Die natürliche Sukzession dieser Bergwälder nach Einstellen der landwirtschaftlichen Nutzung z. B. von Schneeheide-Kiefernwäldern in Richtung mäßig trockener Carbonat-Bergmischwäldern wird naturschutzfachlich als eine negative, aus forstlicher Perspektive i. d. R. als eine positive Entwicklung bewertet. In Bayern wurden Wälder mit einem Überschirmungsgrad bis 40% im Zuge der FFH-Managementplanung häufig als Offenland kartiert. Diese sind dementsprechend zu erhalten und zu pflegen. Lichte trockene Waldstandorte sind meist in der Alpenbiotopkartierung entsprechend des §30 Deutsches Bundesnaturschutzgesetz kartiert. In Österreich definiert das Forstgesetz Flächen mit einer Überschirmung unter 30% als Nichtwald. Damit ist auch keine Erfüllung von Waldfunktionen mehr zu erwarten.

In der Praxis sind daher zunehmend Konflikte zwischen staatlichen Naturschutz- und Forstakteuren bezüglich Abgrenzung Offenland/Wald und in Hinblick auf Lebensraum- und Naturgefahren- bzw. Schutzwaldmanagement beobachtbar. Besonders Planungen des Schutzwaldmanagements, die zur Umsetzung der Schutzziele gegen Naturgefahren Maßnahmen in verlichteten Wäldern bzw. auf offenen Biotopflächen vorsehen, werden von Naturschutzbehörden zunehmend kritisch beurteilt. Aufgrund der hohen Bedeutung der Schutzwälder in der Forstpolitik und der öffentlichen Wahrnehmung (vgl. z.B. das Bergwaldprotokoll der Alpenkonvention, den Bergwaldbeschluss des Bayerischen Landtages von 1984 und die Landesschutzwaldkonzepte in Österreich) bewerten Waldbesitzer, Förster und die lokale Bevölkerung Arten- und Biotopschutzmaßnahmen im Wald häufig negativ. So sind Konzepte, die in Alpennationalparks dem Prozessschutz dienen wie das Liegenlassen von Sturmwurfholz und damit Verzicht auf Bekämpfung des Borkenkäfers durch Aufarbeitung umgefallener Fichten, hoch umstritten. Aus Sicht des Waldschutzes stellen Trittsteinbiotope Trittsteine für waldschädliche Insekten dar. Besonders im Umkreis von Nationalparken liegende Waldbesitzer befürchten die Schädigung des eigenen Waldes.

Zielsetzung

Dieses Teilprojekt untersucht die grundlegenden Konfliktmuster und -strategien, die zwischen den beteiligten Akteuren, in erster Linie MitarbeiterInnen der Naturschutz- und Forstverwaltungen sowie der Grundeigentümer und Nutzungeberechtigten als auch Naturschutz- und Forstverbände, bestehen.Auf Basis der Konflitkanalyse wird eingeschätzt, ob die im Projektplan vorgesehenen Konfliktlösungsstrategien auf planerischer Ebene bzw. auf der Objektebene (in einzelnen Beständen) ausreichen, die bestehenden Konflikte zu bearbeiten. Empfehlungen zur weiteren Konfliktbearbeitung werden für die identifizierten Konfliktkonstellationen erarbeitet.

Vorgehen

Folgende Arbeitsschritte werden durchgeführt:

  1. Leitfadenbefragungen von Vertretern der Forst- und Naturschutzbehörden. Hierbei sollen die wahrgenommenen Konflikte sowie Ideen der Akteure für die Lösung der wahrgenommenen Konflikte erhoben werden (06.2017-06.2018)
  2. Akteursanalyse in den Untersuchungsgebieten. Durch die Befragung von Schlüsselakteuren werden die relevanten Akteure in den Untersuchungsgebieten identifiziert (03.2018-02.2019)
  3. Aufstellung eines Workshopkonzepts zur Erarbeitung der Lösungsansätze auf Bestandesebene (03-06.2019)
  4. Beobachtung der Workshops zur Identifizierung der nicht-bearbeiteten Konfliktebenen (07-10.2019)
  5. Formulierung von Handlungsempfehlungen für die Verwaltungen und große Forstbetriebe (11.2019-05.2020)